Das Netzwerk FemaleSingersUnited bringt im Besonderen professionell arbeitende traditionelle Sängerinnen aus der ganzen Welt mit Sängerinnen aus Deutschland in einen künstlerischen Austausch.
Zum Einen geht es dabei um Aus- und Weiterbildungstools, zu denen traditionelle Sängerinnen oft keinen Zugang haben, so wie beispielsweise im Iran aufgrund des Berufsverbots als Solistinnen. Der Fokus liegt auf einem beiderseitigen Austausch von Erfahrungen und lange gehegten Wissensschätzen, was den Umgang mit der Stimme grundsätzlich und in Auftrittssituationen, aber auch Gesangstechniken angeht. Ein Teil der Workshops ist hier besonders den Nachwuchssängerinnen beider Kulturen gewidmet.

Zum Anderen steht der direkte künstlerische Austausch im Mittelpunkt; sowohl das erneute Verknüpfen unserer Musikkulturen als auch das gemeinsame Beschreiten neuer musikalischer Wege.
Es geht dabei bewusst darum, die jeweiligen Musiktraditionen und den traditionellen Gesang mit der westlichen klassischen Gesangskultur so zu verbinden, dass neue Klangkonzepte entstehen.
Dabei wird eine Klangsprache initiiert, die die Gemeinsamkeiten und gemeinsamen Wurzeln offenlegt, die musikalischen Einschränkungen durch kulturelle Verortung überwindet und eine Verbindung der Gesangkulturen herstellt.
Seit 2018 findet dies auf eindrückliche Weise mit Sängerinnen aus dem persischen Raum statt, wobei sich der traditionelle persische Gesang als Wurzel unserer ornamentalen Gesangskultur lesen lässt. In der Verzierungskunst als gemeinsamer Wurzel begegnen sich die Gesangstraditionen und es wird ein Raum für eine eigene Klangsprache geschaffen, welche musikalische Begrenzungen überwindet und die Trennung der Gesangskulturen auflöst.

Die im Rahmen der Netzwerkarbeit veranstalteten Workshops widmen sich jeweils einzelnen musikalischen und gesanglichen Phänomenen, die dann aus beiden Musikkulturen heraus betrachtet, analysiert und in gemeinsamen Improvisationen musikalisch verbunden werden.
Es geht dabei jederzeit auch um ein musikalisch- künstlerisches Produkt, das den Austausch und die Verbindung der Kunst einem breiten Publikum hörbar macht.
Zum ersten Mal wurde der künstlerische Austausch und die Suche nach einer gemeinsamen neuen Klangsprache in dem zeitgenössischen Musiktheaterprojekt ORNAMENT im November 2019 in Berlin präsentiert (frauvonda.de).

Das Netzwerk ermöglicht westlichen, bzw. deutschen Sängerinnen, die Ursprünge der westlichen Musiktradition und die ursprüngliche Singeweise von beispielsweise der Verzierungskunst zu erfahren. Außerdem entstehen über den direkten Austausch eigenständige neue Projekte.
Für die traditionellen Sängerinnen anderer Länder entsteht die Möglichkeit, sich von der meist in politischen und sozialen Aspekten begründeten künstlerischen Einschränkung zu lösen, sich andernorts zu vernetzen und in neue Klangfelder zu bewegen.
So entsteht allmählich ein Netz, das auch den Sängerinnen vor Ort und untereinander eine Zusammenarbeit ermöglicht sowie den Zusammenhalt fördert.